Fett verlieren, Muskeln behalten – welche Methode laut Forschern unverzichtbar ist
Wer beim Abnehmen nur Kalorien reduziert oder ausschließlich auf Ausdauersport setzt, verliert laut einer neuen Studie neben Fett auch wertvolle Muskelmasse. Eine Methode macht den entscheidenden Unterschied.
Viele
Menschen, die abnehmen möchten, konzentrieren sich auf die Zahl auf der Waage.
Doch ob die verlorenen Kilos aus Fett oder aus Muskelmasse bestehen, kann für
die Gesundheit einen gewaltigen Unterschied machen. Eine aktuelle Untersuchung
aus Israel liefert nun ein klares Ergebnis: Wer während einer Diät
Krafttraining betreibt, verliert gezielt Fett – und schützt gleichzeitig seine
Muskeln.
300 Teilnehmer
im strukturierten Abnehmprogramm untersucht
Die Studie
wurde an der Gray Faculty of Medical and Health Sciences sowie am Sylvan Adams
Sports Science Institute der Tel Aviv University durchgeführt und im
Fachjournal Frontiers in Endocrinology veröffentlicht.
Für die
Untersuchung wurden Daten von 121 Frauen und 183 Männern im Alter von 20 bis 75
Jahren analysiert, die an einem strukturierten Abnehmprogramm teilnahmen. Alle
Probanden hielten eine kalorienreduzierte Diät mit kontrolliertem
Energiedefizit (-500 kcl pro Tag) ein. Der Unterschied lag in der körperlichen
Aktivität:
- Gruppe 1 machte gar keinen Sport
- Gruppe 2 absolvierte
Ausdauertraining: Aktivitäten wie Spaziergänge, Training auf dem Laufband,
Ellipsentrainer, Ergometer-Radfahren und Treppensteigen bei einer
Intensität von etwa 65 Prozent der maximalen Herzfrequenz; die
wöchentliche Trainingszeit sollte auf 150-250 Minuten gesteigert werden
- Gruppe 3 trainierte mit
Gewichten: 2-3 Mal pro Woche; 7 Übungen für den Oberkörper und 2 Übungen
für den Unterkörper an Maschinen und mit freien Gewichten; Personen, die
zuhause trainierten, machten 9 Übungen mit Hanteln und Bank; gestartet
wurde mit 1-2 Sätzen und 8-15 Wiederholungen pro Übung; für die
progressive Steigerung sollten die Probanden zunächst die Wiederholungen
steigern, dann das Gewicht
Das Ziel war
es, das Körperfett auf 24 Prozent (Männer) bzw. 31 Prozent (Frauen) zu
reduzieren. Die Dauer der Teilnahme variierte je nach individuellem Fortschritt
und Therapietreue zwischen 1 und 18 Monaten.
Bei den
Probanden wurde das Gewicht, der Bauchumfang und die Körperzusammensetzung
(mittels DXA-Ganzkörperscan) gemessen.
Gleiche
Gewichtsabnahme – aber völlig unterschiedliche Qualität
Das Ergebnis
überrascht nur auf den ersten Blick: Alle drei Gruppen nahmen insgesamt ähnlich
viel Gewicht ab. Der entscheidende Unterschied zeigte sich jedoch in der
Zusammensetzung des verlorenen Gewichts. Die Krafttrainings-Gruppe verlor
deutlich mehr Körperfett als die anderen beiden Gruppen – und war zugleich die
einzige, die ihre Muskelmasse erhalten und sogar steigern konnte.
Probanden
ohne Sport sowie diejenigen, die ausschließlich Ausdauertraining machten,
büßten dagegen einen erheblichen Anteil an Muskelmasse ein. Das ist
problematisch, denn Muskeln machen rund 40 Prozent des Körpergewichts aus und
sind selbst in Ruhe für einen großen Teil des täglichen Kalorienverbrauchs
verantwortlich. Sinkt die Muskelmasse, sinkt auch der Grundumsatz des Körpers,
der Stoffwechsel verlangsamt sich – und die Wahrscheinlichkeit, nach der Diät
wieder zuzunehmen, steigt.
Außerdem spielt
die Muskulatur eine entscheidende Rolle für gesundes Altern, wie Prof. Dr.
Jürgen Gießing erklärte. „Wir verlieren unsere Muskeln nicht, wenn wir altern.
Wir altern, wenn wir unsere Muskeln verlieren.“ Es sei entscheidend, dem
natürlichen Muskelabbau ab etwa 30 Jahren mit Krafttraining entgegenzuwirken,
um im Alltag leistungsfähig zu bleiben, die Knochen zu stärken und das
Osteoporose-Risiko zu senken sowie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des
Stoffwechsels und sogar Krebs vorzubeugen.
Ergebnisse
bei Männern: Krafttraining zeigt deutliche Vorteile
Bei Männern
war der gesamte Gewichtsverlust über alle Gruppen hinweg ähnlich (NO: −8,5 kg ±
3,2 kg; AR: −9,0 kg ± 4,2 kg; RT: −7,7 kg ± 4,2 kg). Krafttraining führte
jedoch zur größten Reduktion der Fettmasse (RT: −8,9 kg ± 4,1 kg; AR: −7,8 kg ±
3,2 kg; NO: −5,8 kg ± 2,5 kg) und war die einzige Modalität, die mit einer
Zunahme der fettfreien Masse verbunden war.
RT zeigte
einen Anstieg von +0,8 kg ± 5,0 kg FFM, während sowohl AR (−1,1 kg ± 2,0 kg)
als auch NO (−2,8 kg ± 1,4 kg) FFM-Verluste aufwiesen. Der Bauchumfang nahm in
allen Gruppen ab, mit größeren Reduktionen bei RT (−9,0 cm ± 3,7 cm) und AR
(−8,0 cm ± 3,2 cm) im Vergleich zu NO (−6,1 cm ± 2,4 cm).
Das
Verhältnis von Fettmasse zu Gesamtgewichtsverlust war in der NO-Gruppe am
niedrigsten (0,7 ± 0,2), höher bei AR (0,86 ± 0,2) und am höchsten bei RT (1,1
± 0,7; p = 0,0002 vs. NO, p = 0,0051 vs. AR), was die überlegene Qualität des
Gewichtsverlusts durch Krafttraining demonstriert.
Ergebnisse
bei Frauen: Muskelerhalt durch Krafttraining
Bei Frauen
war der Gewichtsverlust ebenfalls über die Gruppen hinweg vergleichbar (NO:
−7,13 kg ± 3,27 kg; AR: −6,43 kg ± 3,53 kg; RT: −5,42 kg ± 3,76 kg).
Krafttraining erzeugte die größte Fettmassenreduktion (RT: −6,36 kg ± 3,82 kg;
NO: −5,47 kg ± 2,64 kg; AR: −4,10 kg ± 3,17 kg).
RT war die
einzige Modalität, die die fettfreie Masse erhöhte und einen signifikanten
Anstieg von +0,90 kg ± 1,24 kg zeigte. Sowohl NO (−2,94 kg ± 1,40 kg) als auch
AR (−0,37 kg ± 1,45 kg) wiesen FFM-Verluste auf. Bei Frauen verloren nur 5,7%
der RT-Teilnehmerinnen substanziell FFM, verglichen mit allen Teilnehmerinnen
in der NO-Gruppe.
Die
ABC-Reduktion korrelierte stark mit dem FM-Verlust (r = 0,84; p = 0,0001), was
ihre Nützlichkeit als Marker für qualitativ hochwertigen Gewichtsverlust
unterstreicht. RT führte zu signifikant größeren Reduktionen (−7,50 cm ± 3,99
cm) im Vergleich zu AR (−7,17 cm ± 3,46 cm) und NO (−6,00 cm ± 3,25 cm).
Klinische
Bedeutung und Mechanismen
Die
skelettale Muskelmasse (SMM) spielt eine entscheidende Rolle im
Glukosestoffwechsel, bei der unabhängigen Fortbewegung und ist der
Hauptbeitragsfaktor zum Ruheenergieverbrauch. Der altersbedingte Rückgang der
Muskelmasse und -kraft, bekannt als Sarkopenie, verstärkt diese Risiken weiter.
Trotz der
Herausforderungen während der Kalorienrestriktion, bei der die
Muskelproteinsynthese (MPS) und anabole Signalwege unterdrückt werden, zeigten
die Teilnehmer im Durchschnittsalter von 41 Jahren (Männer) und 39,7 Jahren
(Frauen) eine erfolgreiche FFM-Erhaltung oder -Zunahme. Dies unterstreicht die
Wirksamkeit von Krafttraining für nicht-athletische Personen.
Mehrere
Faktoren trugen zu diesem Ergebnis bei: Progressive Überlastung im RT sorgte
für anhaltende Muskelstimulation, individualisierte Ernährungsberatung
optimierte die Proteinaufnahme, und personalisierte Trainingsprogramme
verbesserten die Adhärenz. Die zentrale Adipositas, gemessen am Bauchumfang,
ist ein stärkerer Prädiktor für ungünstige metabolische Ergebnisse als der BMI.
Krafttraining
reduzierte Bauchumfang am stärksten
Ein weiteres
Ergebnis der Studie: Krafttraining war auch die effektivste Methode, um den
Bauchumfang zu verringern – ein zentraler Indikator für abdominale
Fettleibigkeit und Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie
Typ-2-Diabetes. Die stärkste Reduktion des Bauchumfangs wurde in der
Krafttrainings-Gruppe unter den Männern beobachtet (-9 cm) und korrelierte
deutlich mit dem Fettverlust. Bei den Frauen Frauen waren es -7,5 cm.
Prof. Yftach
Gepner, einer der leitenden Studienautoren, betont in einer Mitteilung
der Universität, dass der Abnehmerfolg nicht nur daran gemessen werden
solle, wie viele Kilogramm man beim Abnehmen verliert, sondern an der Qualität
des Gewichtsverlusts. „Wenn eine angemessene Ernährung mit Krafttraining
kombiniert wird, lässt sich Fett effektiv reduzieren und gleichzeitig die
Muskelmasse erhalten oder sogar verbessern – ein entscheidender Faktor für die
Stoffwechselgesundheit, die Alltagsfunktion und die langfristige
Gewichtskontrolle,“ so Gepner. Krafttraining sei nicht nur für Sportler, sondern
ein unverzichtbares Werkzeug für jeden, der gesund, sicher und nachhaltig
abnehmen will – für Frauen und Männer gleichermaßen.
Schlussfolgerungen
und praktische Empfehlungen
Diese Studie
unterstreicht die entscheidende Rolle von Krafttraining beim Erhalt der
fettfreien Masse und der Optimierung der Körperzusammensetzung während des
Gewichtsverlusts. Während der gesamte Gewichtsverlust über alle Gruppen hinweg
vergleichbar war, führte nur RT zu einer Körperrekompensation mit
gleichzeitiger FFM-Zunahme und FM-Reduktion.
Ausdauertraining
bot moderaten Muskelerhalt, während die NO-Gruppe signifikante FFM-Verluste
erlitt. Größere Reduktionen des Bauchumfangs in der RT-Gruppe unterstreichen
deren Rolle bei der Verbesserung der metabolischen Gesundheit. Qualitativ
hochwertiger Gewichtsverlust – definiert als Maximierung des FM-Verlusts bei
Erhaltung der Muskelmasse – sollte ein Hauptziel sein.
Die
Integration von Krafttraining in Gewichtsverlustinterventionen ist essentiell.
Zukünftige Forschung sollte sich auf die Verfeinerung von RT-Protokollen
konzentrieren, um den Muskelerhalt und metabolische Ergebnisse in verschiedenen
Populationen weiter zu verbessern. Die Ergebnisse zeigen, dass RT die
effektivste Strategie ist, um während des Gewichtsverlusts fettfreie Masse zu
erhalten und die Körperzusammensetzung zu verbessern.
Quelle:
https://www.frontiersin.org/journals/endocrinology/articles/10.3389/fendo.2025.1725500/full

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