Welche Sportarten das vorzeitige Sterberisiko besonders stark senken!
Nicht nur wie viel, sondern auch wie wir uns bewegen, ist allem Anschein nach entscheidend für ein langes Leben. Wer regelmäßig verschiedene Formen körperlicher Aktivität kombiniert, hat ein geringeres Risiko, frühzeitig zu sterben, als Menschen, die sich zwar viel, aber einseitig bewegen. Darauf deutet eine große Beobachtungsstudie hin, die dieser Tage im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass mehr Bewegung nicht unbegrenzt mehr Nutzen bringt – ab einem bestimmten Punkt flacht der Effekt ab.
Die neue
Untersuchung unter der Leitung des Ernährungswissenschaftlers Yang Hu (Harvard
T H Chan School of Public Health) stützt sich auf Daten zweier bekannter und
angesehener Langzeitstudien aus den USA: der Nurses’ Health Study mit mehr als
120.000 teilnehmenden Frauen sowie der Health Professionals Follow-up Study mit
über 50.000 Männern – beide Gruppen bestehen aus Personen, die in
Gesundheitsberufen tätig sind.
Mehr als
30 Jahre an Daten
Über einen
Zeitraum von mehr als 30 Jahren gaben die Teilnehmenden regelmäßig Auskunft
über ihren Lebensstil, ihre Gesundheit und ihre körperliche Aktivität. Erfasst
wurden dabei zahlreiche Bewegungsformen – vom Gehen über Joggen, Radfahren,
Schwimmen und Krafttraining bis hin zu Gartenarbeit oder Treppensteigen.
Insgesamt
flossen die Daten von rund 111.000 Personen in die Auswertung ein. Während der
Beobachtungszeit starben knapp 39.000 Teilnehmende, vor allem an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen. Wie erwartet
zeigte sich: Menschen mit höherer körperlicher Aktivität lebten länger.
Die
jeweilige Dauer wurde dabei in sogenannten MET-Stunden gemessen. MET steht
für Metabolic Equivalent of Task und ist eine Maßeinheit, die den
Energieverbrauch von körperlicher Aktivität quantifiziert, indem sie diesen mit
dem Ruheenergieverbrauch (1 MET) vergleicht. Der Wert hilft, den wöchentlichen
Bewegungsbedarf zu berechnen. Die WHO empfiehlt 150 Minuten moderate Aktivität,
was in etwa 8,75 MET-Stunden/Woche entspricht.
Plateau
bei 20 MET-Stunden
Zwar sank
das Sterberisiko mit zunehmender Aktivitätsdauer deutlich, doch dieser Effekt
erreichte bei etwa 20 MET-Stunden pro Woche ein Plateau. Zusätzliche Bewegung
brachte darüber hinaus kaum noch messbare Vorteile. Die Analyse des Teams um Yang Hu
ging einen Schritt weiter. Die Forschenden wollten auch wissen, welche Formen
der Bewegung mit höherer Lebenserwartung assoziiert waren. Ein Blick auf
einzelne Aktivitäten zeigte tatsächlich Unterschiede.
Der Sweet
Spot also der Punkt an dem mehrere Faktoren optimal zusammenkommen und das beste
Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis entsteht, liegt je nach Sportart
bei 30 -40 Minuten pro Woche.
Gehen war besonders wirksam und ging
bei den aktivsten Personen mit einem um 17 Prozent niedrigeren Sterberisiko
einher. Treppensteigen senkte es um zehn Prozent. Auch Tennis,
Rudersport, Gymnastik, Krafttraining, Laufen und Joggen waren mit
einem deutlich geringeren Risiko verbunden. Radfahren schnitt
vergleichsweise schwächer ab, Schwimmen zeigte in dieser
Analyse keinen klaren Zusammenhang.
Schließlich
analysierten die Forschenden auch die Auswirkungen von Abwechslung: Wer viele
unterschiedliche Bewegungsarten ausübte, profitierte selbst dann, wenn die
Gesamtmenge berücksichtigt wurde. Teilnehmende mit der größten Vielfalt an
körperlicher Aktivität hatten ein um 19 Prozent geringeres Risiko, aus
irgendeiner Ursache zu sterben. Besonders deutlich fiel der Zusammenhang bei
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen aus – hier lag das
geringere Sterberisiko je nach Ursache zwischen 13 und 41 Prozent.
Grenzen
und Botschaft der Studie
Die
Forschenden betonen jedoch die Grenzen der Studie. Es handelt sich um eine
Beobachtungsstudie, aus der sich keine direkten Ursache-Wirkungs-Beziehungen
ableiten lassen. Zudem basieren die Angaben zur Bewegung auf Selbstauskünften,
die ungenau sein können. Auch die Intensität der Aktivitäten ließ sich nicht
immer präzise erfassen. Hinzu kommt, dass die Studienteilnehmenden überwiegend
weiße US-Amerikanerinnen und -Amerikaner waren, was die Übertragbarkeit der
Ergebnisse einschränkt.
Trotzdem
sehen die Autorinnen und Autoren eine klare Botschaft: Ein aktiver Lebensstil
bleibt zentral für die Gesundheit – doch monotones "Mehr ist besser"
greift zu kurz. Stattdessen könnte langfristig jene Bewegung am meisten
bringen, die Abwechslung bietet, verschiedene Muskelgruppen beansprucht und
sich flexibel in den Alltag integrieren lässt. Oder, anders gesagt: Wer
spaziert, radelt, Krafttraining macht, im Garten arbeitet und gelegentlich die
Treppe nimmt, dürfte seinem Körper mehr Gutes tun als jemand, der
ausschließlich immer dieselbe Runde läuft.
Nicht an der
Studie beteiligte britische Fachleute schließen sich diesen
Selbsteinschätzungen der Forschenden weitgehend an: Eine Beobachtungsstudie wie
diese könne nicht wirklich Ursache und Wirkung unterscheiden. Zudem geben sie
zu bedenken, dass sich unsere physischen Aktivitäten oft über die Zeit ändern,
was die Studie nicht wirklich berücksichtigt. Dass Bewegung – und verschiedene
Formen von Bewegung – das Sterberisiko senkt, sei durch viele andere
Untersuchungen gut abgesichert.


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