Krafttraining statt nur Kalorien zählen?
Warum die Körperzusammensetzung wichtiger ist als die Zahl auf der Waage
Wer abnehmen möchte, orientiert sich häufig
an einem einzigen Wert: dem Körpergewicht. Sinkt die Zahl auf der Waage,
scheint das Ziel erreicht. Doch moderne Forschung zeigt immer deutlicher, dass
nicht jeder Gewichtsverlust gleichwertig ist. Entscheidend ist nicht nur, wie
viele Kilogramm verschwinden, sondern aus welchem Gewebe diese Kilogramm
stammen.
Eine aktuelle Studie von Yair Lahav, Roi
Yavetz und Yftach Gepner untersuchte genau diese Frage. Die Forschenden wollten
herausfinden, wie sich Krafttraining, Ausdauertraining und eine reine
Ernährungsintervention auf die Körperzusammensetzung während einer
Gewichtsabnahme auswirken. Die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse für
alle, die nicht nur leichter, sondern auch gesünder und leistungsfähiger werden
möchten. [pubmed.ncb...lm.nih.gov]
Warum Gewicht allein
wenig aussagt
Viele Menschen verbinden Gewichtsverlust
automatisch mit Fettverlust. Tatsächlich besteht der menschliche Körper jedoch
aus verschiedenen Geweben:
- Fettmasse
- Muskelmasse
- Knochenmasse
- Wasser
- Organmasse
Verliert eine Person zehn Kilogramm
Körpergewicht, bedeutet das nicht automatisch, dass zehn Kilogramm Fett
verschwunden sind. Ein Teil kann auch aus Muskelmasse oder Wasser bestehen.
Gerade Muskelmasse ist jedoch ein
entscheidender Gesundheitsfaktor. Sie beeinflusst unter anderem:
- den Grundumsatz
- die Insulinsensitivität
- die körperliche Leistungsfähigkeit
- das Sturzrisiko im Alter
- die langfristige Gewichtsstabilität
Deshalb sprechen Wissenschaftler zunehmend von einem „hochwertigen Gewichtsverlust“. Gemeint ist eine Gewichtsabnahme, bei der möglichst viel Fett verloren und möglichst wenig Muskulatur eingebüßt wird. Genau diesen Aspekt untersuchte die aktuelle Studie.
Aufbau der Studie
An der Untersuchung nahmen 304 Erwachsene teil. Alle Teilnehmenden erhielten eine individuell angepasste kalorienreduzierte Ernährung mit einem täglichen Energiedefizit von etwa 500 Kilokalorien. Zusätzlich wurde eine Proteinzufuhr von ungefähr 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Die Teilnehmenden wählten anschließend eine von drei Strategien:
Gruppe 1:
Krafttraining
- Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche
- Progressive Belastungssteigerung
- Übungen für Ober- und Unterkörper
Gruppe 2:
Ausdauertraining
- 150 bis 250 Minuten pro Woche
- Walking, Laufband, Fahrrad oder Crosstrainer
- Moderate Intensität
Gruppe 3: Kein
strukturiertes Training
Die Körperzusammensetzung wurde mittels DXA gemessen. Dieses Verfahren gilt als Goldstandard zur Bestimmung von Fettmasse und fettfreier Masse.
Die Ergebnisse bei
Männern
Überraschend war zunächst, dass alle Gruppen
ähnlich viel Gewicht verloren.
- Kein Training: −8,5 kg
- Ausdauertraining: −9,0 kg
- Krafttraining: −7,7 kg
Wer ausschließlich auf die Waage geschaut
hätte, wäre vermutlich zu dem Schluss gekommen, dass Ausdauertraining die beste
Wahl sei. Doch die Körperzusammensetzung erzählte eine andere Geschichte.
Fettverlust
- Kein Training: −5,8 kg Fett
- Ausdauertraining: −7,8 kg Fett
- Krafttraining: −8,9 kg Fett
Damit verlor die Krafttrainingsgruppe rund
14 Prozent mehr Fettmasse als die Ausdauergruppe.
Muskelmasse
Noch interessanter wurde es bei der
fettfreien Masse:
- Krafttraining: +0,8 kg
- Ausdauertraining: −1,1 kg
- Kein Training: −2,8 kg
Die Männer in der Krafttrainingsgruppe
verloren also nicht nur Fett. Sie konnten ihre Muskelmasse sogar leicht
steigern.
Die Ergebnisse bei
Frauen
Auch bei den Frauen zeigte sich ein
ähnliches Bild.
Gewichtsverlust
- Kein Training: −7,13 kg
- Ausdauertraining: −6,43 kg
- Krafttraining: −5,42 kg
Auf den ersten Blick schien die
Krafttrainingsgruppe sogar weniger erfolgreich zu sein. Doch wiederum zeigte
die Analyse der Körperzusammensetzung ein anderes Bild.
Fettverlust
- Krafttraining: −6,36 kg Fett
- Kein Training: −5,47 kg Fett
- Ausdauertraining: −4,10 kg Fett
Die Krafttrainingsgruppe verlor etwa 55
Prozent mehr Fettmasse als die Ausdauergruppe. Genau auf diesem Ergebnis
basiert die Grafik mit den Angaben 14 Prozent bei Männern und 55 Prozent bei
Frauen.
Fettfreie Masse
- Krafttraining: +0,9 kg
- Ausdauertraining: −0,37 kg
- Kein Training: −2,94 kg
Auch bei den Frauen war Krafttraining die
einzige Trainingsform, die durchschnittlich mit einem Zugewinn an fettfreier
Masse verbunden war.
Warum Krafttraining so
wirksam sein könnte
Muskelgewebe ist metabolisch aktiv. Es
verbraucht Energie, verbessert die Blutzuckerregulation und erhöht langfristig
den Energieumsatz.
Während einer Diät gerät der Körper jedoch
häufig in einen Sparmodus. Fehlen ausreichende Trainingsreize, kann er
Muskelmasse abbauen, um Energie zu sparen.
Krafttraining sendet dem Organismus ein
starkes Signal:
„Diese Muskulatur wird weiterhin benötigt.“
Dadurch bleibt Muskelmasse eher erhalten
oder wird sogar aufgebaut. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch während und
nach dem Training.
Dieser Effekt wird besonders wichtig, wenn Menschen langfristig Gewicht halten möchten. Denn ein höherer Muskelanteil erleichtert die Gewichtsstabilisierung nach einer erfolgreichen Diät.
Bauchumfang als
Gesundheitsmarker
Neben Gewicht und Körperzusammensetzung
untersuchten die Forschenden auch den Bauchumfang.
Die größten Verbesserungen wurden erneut in
der Krafttrainingsgruppe beobachtet.
Gerade Bauchfett gilt als besonders
problematisch. Es steht in engem Zusammenhang mit:
- Insulinresistenz
- Typ-2-Diabetes
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- chronischen Entzündungsprozessen
Eine Verringerung des Bauchumfangs ist daher oft aussagekräftiger als der Blick auf die Waage allein.
Was sind die Schwächen
der Studie?
So beeindruckend die Ergebnisse auch
erscheinen, einige Einschränkungen müssen berücksichtigt werden.
Keine Randomisierung
Die Teilnehmenden wurden nicht zufällig den
Gruppen zugeordnet. Sie entschieden selbst, ob sie Krafttraining,
Ausdauertraining oder gar kein Training durchführen wollten.
Dadurch könnten motiviertere Personen
häufiger Krafttraining gewählt haben.
Selbstberichte
Die Trainingshäufigkeit wurde teilweise über eigene Aufzeichnungen dokumentiert. Solche Angaben können ungenau sein.
Weitere Einflussfaktoren
Schlafqualität, Stress und andere
Lebensstilfaktoren wurden nicht systematisch kontrolliert. Auch diese Faktoren
können die Körperzusammensetzung beeinflussen.
Unterschiedliche
Trainingsintensitäten
Nicht alle Teilnehmenden trainierten exakt
gleich intensiv. Dies könnte zusätzliche Unterschiede verursacht haben.
Trotz dieser Einschränkungen liefert die Untersuchung wertvolle Hinweise für die Praxis.
Praktische
Konsequenzen für den Alltag
Was kann man aus dieser Studie mitnehmen?
1. Nicht nur auf die
Waage schauen
Die Waage zeigt lediglich das Gesamtgewicht.
Veränderungen von Fettmasse und Muskelmasse bleiben verborgen.
2. Krafttraining
sollte Bestandteil jeder Gewichtsreduktion sein
Bereits zwei bis drei Einheiten pro Woche
können dazu beitragen:
- Muskelmasse zu erhalten
- mehr Fett zu verlieren
- den Stoffwechsel zu unterstützen
3. Protein nicht
vergessen
Die Studienteilnehmenden erhielten etwa 1,5
Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Dies dürfte ebenfalls zur Erhaltung
der Muskelmasse beigetragen haben.
4. Ausdauertraining
bleibt wertvoll
Die Studie zeigt nicht, dass
Ausdauertraining schlecht ist. Es verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit, die
Ausdauerleistung und unterstützt ebenfalls den Fettabbau.
Optimal ist häufig die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.
Fazit
Die aktuelle Studie macht deutlich, dass
erfolgreicher Gewichtsverlust weit mehr bedeutet als eine niedrigere Zahl auf
der Waage.
Sowohl Männer als auch Frauen verloren unter
Krafttraining mehr Fettmasse als unter Ausdauertraining. Gleichzeitig war
Krafttraining die einzige Trainingsform, die im Durchschnitt mit einem Erhalt
oder sogar einem Aufbau der fettfreien Masse verbunden war.
Die wichtigste Botschaft lautet daher:
Das Ziel sollte nicht
sein, möglichst leicht zu werden. Das Ziel sollte sein, möglichst viel Fett zu
verlieren und möglichst viel Muskulatur zu erhalten.
Wer langfristig gesund, leistungsfähig und
metabolisch fit bleiben möchte, sollte Krafttraining nicht als Ergänzung
betrachten, sondern als einen zentralen Bestandteil jeder erfolgreichen
Gewichtsreduktion.
Leichter werden ist
gut. Fett verlieren und Muskulatur erhalten ist besser.
Du willst mehr darüber erfahren dann buche eines meiner zahlreichen Webinare und/oder Bücher
Quelle: Resistance training as a key strategy for
high-quality weight loss in men and women, Frontiers in Endocrinology 2026. [pubmed.ncb...lm.nih.gov]

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