Wie viel Krafttraining pro Woche das Sterberisiko am stärksten senkt?
Eine Langzeituntersuchung über 30 Jahre legt nahe, dass eineinhalb bis zwei Stunden pro Woche ideal sein dürften. Mehr bringt nur wenig
Regelmäßige
Bewegung gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit
und zur Verlängerung des Lebens. Besonders gut dokumentiert sind die positiven
Auswirkungen von Ausdaueraktivitäten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen auf
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die allgemeine Lebenserwartung. Von der
Weltgesundheitsorganisation werden 90 Minuten pro Woche an moderater
Anstrengung als Untergrenze empfohlen. Mehr dürfte weitere positive Effekte
bringen.
Weniger klar
war bislang jedoch, welchen eigenständigen Beitrag Krafttraining dazu leistet.
Eine nun veröffentlichte Langzeitstudie liefert neue Hinweise darauf, dass
Muskeltraining weit mehr ist als nur ein Mittel zum Muskelaufbau oder zur
Verbesserung der Körperhaltung. Demnach könnte bereits ein überschaubares
Pensum von 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche mit einem deutlich
geringeren Risiko verbunden sein, vorzeitig zu sterben, berichtet ein Team um
den Harvard-Epidemiologen Edward Giovannucci.
Daten aus
drei Jahrzehnten
Die
Untersuchung, die am Mittwoch im British
Journal of Sports Medicine erschien, stützt sich auf Daten von
insgesamt 147.374 Personen, die über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren
beobachtet wurden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus drei großen
US-amerikanischen Langzeitstudien, die seit Jahrzehnten Gesundheitsdaten von
medizinischem Fachpersonal erfassen.
In
regelmäßigen Abständen machten die Probandinnen und Probanden Angaben zu ihren
Bewegungsgewohnheiten. Erfasst wurde sowohl die Zeit, die sie mit Krafttraining
verbrachten, als auch jene für Ausdauersportarten. Zu letzteren zählten etwa
zügiges Gehen, Joggen, Schwimmen, Radfahren oder andere körperlich
anspruchsvolle Aktivitäten. Als Krafttraining wurde nicht nur das Üben mit
Gewichten gewertet, sondern auch das mit eigenem Körpergewicht (Liegestütze,
Kniebeugen, Klimmzüge etc.) oder mit Widerstandsbändern.
Die
Forscherinnen und Forscher verglichen anschließend die Trainingsgewohnheiten
mit den Sterblichkeitsdaten der Teilnehmenden. Ziel war es herauszufinden, ob
und in welchem Ausmaß Krafttraining mit der Wahrscheinlichkeit eines
vorzeitigen Todes zusammenhängt.
Knapp
zwei Stunden dürften ideal sein
Das zentrale
Ergebnis: Der Zusammenhang zwischen Krafttraining und Sterblichkeit verläuft
nicht linear. Wer überhaupt kein Krafttraining absolvierte, schnitt schlechter
ab als Personen, die regelmäßig Muskeltraining betrieben. Die größten Vorteile
zeigten sich jedoch nicht bei extrem hohen Trainingsumfängen, sondern in einem
moderaten Bereich.
Nach den
Berechnungen von Erstautorin Yiwen Zhang (ebenfalls Harvard Medical School) und
ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen lag der günstigste Wert zwischen
90 und 120 Minuten Krafttraining pro Woche. In diesem Bereich war das Risiko,
aus irgendeiner Ursache zu sterben, am niedrigsten. Wer mehr trainierte, hatte
nur einen geringeren Mehrwert. Damit reiht sich die Studie in eine wachsende
Zahl von Untersuchungen ein, die bei gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen auf
ein Prinzip der abnehmenden Grenzerträge hinweisen: Mehr ist nicht zwangsläufig
besser.
Interessant
sind auch die Ergebnisse für bestimmte Todesursachen. Teilnehmerinnen und
Teilnehmer mit regelmäßigem Krafttraining wiesen demnach ein um rund 19 Prozent
geringeres Risiko auf, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Noch stärker
fiel der Zusammenhang bei neurologischen Erkrankungen aus: Hier lag das Risiko
um etwa 27 Prozent niedriger. Gegen Krebserkrankungen stellte sich hingegen
eine geringere Trainingsdauer pro Woche als günstiger heraus.
Wirksame
Kombination
Besonders
aufschlussreich ist die Analyse der Wechselwirkung zwischen Kraft- und
Ausdauertraining. Die stärksten gesundheitlichen Vorteile zeigten sich bei
Personen, die beide Trainingsformen miteinander kombinierten. Das überrascht
Fachleute wenig. Während Ausdauertraining vor allem Herz, Lunge und
Stoffwechsel stärkt, verbessert Krafttraining die Muskelmasse, die
Knochendichte und die funktionelle Leistungsfähigkeit im Alter. Zudem wird
Muskeltraining mit einer besseren Blutzuckerregulation und einem geringeren
Risiko für Stürze in Verbindung gebracht.
Die
Ergebnisse legen nahe, dass beide Bewegungsformen unterschiedliche biologische
Mechanismen ansprechen und sich daher gegenseitig ergänzen. Wer ausschließlich
auf Lauftraining setzt, könnte ebenso Potenzial verschenken wie jemand, der nur
an Kraftgeräten trainiert.
Einfache
Botschaft
Für die
Praxis ergibt sich eine vergleichsweise einfache Botschaft: Es müssen nicht
mehrere Stunden täglich im Fitnessstudio sein. Bereits eineinhalb bis zwei
Stunden Krafttraining pro Woche könnten ausreichen, um messbare gesundheitliche
Vorteile zu erzielen – insbesondere dann, wenn sie durch regelmäßige
Ausdauerbewegung ergänzt werden. Ob Hanteltraining, Übungen mit dem eigenen
Körpergewicht oder Widerstandsbänder: Entscheidend scheint weniger die Methode
als die Regelmäßigkeit zu sein.
Die
Forschenden betonen allerdings, dass es sich um eine Beobachtungsstudie
handelt. Zwar wurden zahlreiche Einflussfaktoren statistisch berücksichtigt,
doch lässt sich daraus kein eindeutiger Kausalzusammenhang ableiten. Menschen,
die regelmäßig Krafttraining betreiben, unterscheiden sich häufig auch in
anderen gesundheitsrelevanten Aspekten von weniger aktiven Personen – etwa bei
Ernährung, Schlafverhalten oder dem allgemeinen Gesundheitsbewusstsein.

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